Alexandra von Grote im Interview

28. Oktober 2016
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Alexandra von Grote (p) privat

Alexandra von Grote (p) privat

„Ich interessiere mich für die psychologischen Hintergründe der Figuren: ihre inneren Abgründe, ihre (Lebens)lügen, ihre Geheimnisse.“

Ein Gespräch mit unserer Autorin Alexandra von Grote über Mordmotive, Paris und ihre „LaBréa“-Krimis

 

Frau von Grote, Sie sind als Krimiautorin bekannt geworden und haben bereits 11 Kriminalromane geschrieben. Was reizt Sie so an dem Spannungsgenre?

Alexandra von Grote: ­„Am Spannungsgenre reizt mich nicht so sehr der Kriminalfall an sich. Vielmehr interessiere ich mich für die psychologischen Hintergründe der Figuren: ihre inneren Abgründe, ihre (Lebens)lügen, ihre Geheimnisse. Besonders deutlich wird dies in dem vierten Band der LaBréa-Reihe: Hier finden Verbrechen in den höchsten Kreisen der Gesellschaft statt – reiche, prominente Menschen, die wohl getarnt hinter der Fassade ihrer gesellschaftlichen Stellung in grausame Dinge verstrickt sind.
Für mich bietet der Kriminalroman die Möglichkeit, auf spannende und unterhaltsame Weise über das Schicksal Einzelner hinaus etwas Allgemeines darzustellen. Die Mordmotive eines Einzelnen finden sich millionenfach wieder in der Gesellschaft – auch wenn Habgier, Neid, Rache, sexuelle Gier, Perversion etc. natürlich nicht zwangsläufig zu einem Mord führen müssen.“

 

Frau von Grote, alle Krimis rund um Kommissar LaBréa spielen in Paris. Warum? Haben Sie eine besondere Beziehung zu dieser Stadt? Oder bietet sich Paris als mörderischer Schauplatz besonders an?

grote-labrea-reihe-2Alexandra von Grote: ­„Da ich in meiner Jugend in Paris gelebt und zudem seit vielen Jahrzehnten einen Wohnsitz in Frankreich habe, liebe und kenne ich die Stadt, das Land und die Mentalität der Franzosen. Ein gutes Kapital, um ungewöhnliche Kriminalfälle in einer dem deutschen Leser nicht allzu geläufigen Umgebung anzusiedeln. Die Recherche in Paris ist immer sehr spannend: andere Polizeisysteme, eine andere Justiz – das ist eine Herausforderung für einen Autor. Paris als mörderischer Schauplatz ist zudem natürlich insofern schon ein ,Klassiker‘, als Georges Simenon, den ich sehr verehre, der Stadt zu diesem Ruhm verholfen hat.“

 

Frau von Grote, die Fälle, mit denen es LaBréa zu tun bekommt, werden zunehmend persönlicher. Welche Beziehung bauen sie zu Ihren Protagonisten auf? Schauen Sie noch mit dem professionellen Auge des Autors oder auch mit dem liebevollen eines Freundes?

Alexandra von Grote: ­„Alle Figuren im näheren Umfeld meiner Protagonisten wachsen mir im Lauf des Schreibprozesses zunehmend ans Herz. Ich mag ihre Eigenarten, ihre Unterschiedlichkeit, ihre Beziehungen zueinander. Sie werden nicht einfach auf dem Schachbrett der jeweiligen Geschichten rein professionell hin und her geschoben. Ich habe ein liebevolles Verhältnis zu ihnen. Manche Charaktere in den Romanen haben Eigenschaften von mir oder Menschen aus meinem Privatbereich. Als Autorin schöpfe ich auch immer aus dem Erfahrungsschatz meines eigenen Lebens. Entscheidend ist die Entwicklung einer Figur, ihre Unverwechselbarkeit. Das erreicht man nicht allein mit dem professionellen Auge des Autors.“

 

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