Britta Hasler im Interview

6. Oktober 2017
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Britta Hasler © Thommy Mardo

„Der Wiener Zeitgeist um 1900 – so viele Widersprüche, diese brüchige Moral, und Schönheit sowie Abgründe zuhauf. Das hat für mich förmlich nach einem Kriminalroman geschrien.“

Ein Gespräch mit unserer Autorin Britta Hasler über die Pracht des alten Wiens um 1900, seine Schattenseiten und die Macht von Bildern in ihrem neuen Kriminalroman BILDER DES BÖSEN:

Liebe Britta Hasler, warum haben Sie gerade Wien Anfang des 20. Jahrhunderts als Schauplatz für Ihren Kriminalroman BILDER DES BÖSEN gewählt?

Britta Hasler: „Ich habe Kunstgeschichte und Germanistik studiert und hatte als Prüfungsthema für den Magister in beiden Fächern die Wiener Jahrhundertwende. Die Prüfungsvorbereitung hat mich vollkommen in diese prächtige Welt hineingezogen und seitdem begleitet mich eine tiefe Sehnsucht nach dieser Zeit. Besonders fasziniert hat mich die Rolle der Frau in dieser Zeit der Umbrüche. Davon inspiriert sind meine Figuren Luise von Schattenbach und Johanna entstanden – die gegensätzlicher nicht sein könnten: Die eine genießt es in vollen Zügen, ihre sexuellen Fantasien auszuleben, während die andere eben jene Fantasien zu verdrängen versucht und gleichzeitig mit der Frauenrolle unzufrieden ist, die ihr die Wiener Gesellschaft mit ihren rigiden Moralvorstellungen aufzwingen will. Zwei Frauengestalten, die direkt dem Wiener Zeitgeist um 1900 entsprungen sind – so viele Widersprüche, diese brüchige Moral, und Schönheit sowie Abgründe zuhauf. Das hat für mich förmlich nach einem Kriminalroman geschrien.

Hasler Bilder des Bösen 2Wie machen Sie sich sprachliche Bilder zunutze, um Ihrem Kriminalroman Leben einzuhauchen?

Britta Hasler: „Ich liebe es, in Bildern zu denken und auch zu sprechen. Mit Wortspielen – die ja auch Bilder sind – können so viele Botschaften auf einmal vermitteln werden. Das mache ich mir beim Schreiben zunutze. Ich versuche mir manche Szenen so vorzustellen, als müsste ich sie einem Blinden erklären. Dafür brauche ich eingängige Impressionen, nichts Oberflächliches oder Verworrenes. Bilder müssen stimmig sein und dem Text eine tiefere Bedeutungsebene geben – gleichzeitig darf sich ihre Botschaft dem Leser aber nicht aufzwingen. Ich mag starke Bilder, die gleichzeitig subtil sind.“

Julius Pawalet, der Protagonist Ihres Romans BILDER DES BÖSEN, ist auf recht unkonventionelle Weise an den Detektivberuf geraten. Was zeichnet ihn dabei aus?

Britta Hasler: „Julius Pawalet hat ein eidetisches Gedächtnis, obwohl er ansonsten ein eher ungebildeter Mann ist: Sein Gehirn speichert das Gesehene fotografisch ab und er kann die Details jederzeit wieder abrufen. Das hat einen unermesslichen Wert für seine Ermittlungen. Kein Indiz entgeht ihm bei der Suche nach dem Mörder.

Hasler Bilder des Bösen VIDEO 7Gleichzeitig ist Pawalet ein Mann voll innerer Abgründe und sich der Macht seiner unterdrückten Triebe weitaus mehr bewusst als die meisten anderen Menschen dieser Zeit – und auch der heutigen. Deswegen sieht er auch die Abgründe bei anderen Menschen schneller, und weiß, wohin sie führen können.“

Dabei ist seine Denkweise, anders als etwa bei Sherlock Holmes, nicht kühl und stringent, sondern vielmehr bildhaft und emotional. Das ist die perfekte Ergänzung zur sachlichen Herangehensweise seines Partners Lischka.“

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