„Esthers Garten“ von Tanja Wekwerth

26. Dezember 2014
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Lektorin Petra Förster

Lektorin Petra Förster

Petra Förster, Lektorin, stellt „Esthers Garten“ von Tanja Wekwerth vor:

Mögen Sie Blumensträuße? Ich nicht besonders – sie sind ja ganz nett anzusehen, aber welken doch viel zu schnell, als dass man wirklich etwas von ihnen hätte. Trotzdem käme ich nicht auf die Idee, bei meiner Hochzeit einen Apfel anstatt eines Blumenstraußes in Händen zu halten und womöglich noch in die Menge der unverheirateten Frauen zu werfen. Doch Elizabeth, die Protagonistin in Tanja Wekwerths grandiosem Roman ESTHERS GARTEN, hat sich als Jugendliche genau dies geschworen – so sehr verabscheut sie Blumen und alles, was mit ihnen zusammenhängt.

E_Wekwerth_01.inddSicherlich – das mag etwas befremdlich wirken. Doch erfährt man Elizabeths Geschichte, erscheint ihre Abneigung gegen alles, was blüht, ganz natürlich: Elizabeths Mutter besaß ihren eigenen Blumenladen, in den sie viel Zeit und Kraft investierte. „Kleine und große Sträuße entstanden, in die sie giftgrüne Birkenzweige oder Chinagräser band – und all ihre Liebe. All ihre Liebe, während ihre Tochter im Hinterzimmer die Vasen schrubbte und den Boden fegte.“ Diese „Eifersucht“ auf den Lebensinhalt ihrer Mutter bleibt bestehen, bis Elizabeth als Studentin den liebenswerten Pensionär Otto kennenlernt. Er erzählt ihr seine Geschichte und die einer unerfüllten Liebe: Einst arbeitete er als Gärtner im Haus der schönen Esther, die er glühend verehrte und bewunderte. Und er beschreibt Elizabeth den Garten, den er nach Esthers Anweisungen anlegte, bis sie als Jüdin Ende der dreißiger Jahre gezwungen war, Berlin zu verlassen. Elizabeth erliegt immer mehr der Faszination dieser Frau – sie entdeckt Parallelen zwischen sich und ihr, spürt eine Verbindung zwischen ihnen und letztlich nimmt ihr Leben dank einer Frau, die sie eigentlich gar nicht kannte, eine entscheidende Wende.

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Tanja Wekwerth (c) privat

Ich verspreche Ihnen einen Roman voller Herzenswärme und Tiefsinn von einer außergewöhnlichen Autorin. Erleben Sie Tanja Wekwerths Sprachgewalt und die emotionale Kraft ihrer Worte. Wenn Otto von Esther spricht, voller Wärme und Zärtlichkeit, wird es auch Ihnen so vorkommen, als würden Sie diese Frau plötzlich vor sich sehen, als wäre Esther auch Ihnen nahe gewesen. Fast philosophisch mutet es an, wenn Gärtner Otto sagt: „Das Leben ist eigentlich wie ein Garten. Was nützt es, über verblühten Flieder zu jammern und dadurch die Pracht des duftenden Jasmins zu übersehen? Was nützt es, sich auf die Rosen zu freuen, wenn gerade die Maiglöckchen sprießen? Man muss immer das sehen, was gerade blüht. Und es genießen. So habe ich es stets getan. Jede Blüte ist ein Geschenk und jeder Tag ist es auch.“

Letztlich versöhnt sich Elizabeth nicht nur mit den Blumen, sondern auch mit dem Leben. Und ich muss gestehen: Selbst mir sind Blumen und sogar Blumensträuße dank ESTHERS GARTEN ein Stück näher gekommen.

Mit Sicherheit wird auch Sie dieses Buch so schnell nicht wieder loslassen – und Sie ein klein wenig verändern!

An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, Sie auf zwei weitere wundervolle Romane von Tanja Wekwerth hinzuweisen, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten: MITTERNACHTSMÄDCHEN und DAS HAUS DER HEBAMME, das sogar Platz 1 auf der eBook.de-Bestsellerliste erreichte.

 

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