Federwelt: Beate Kuckertz im Interview – Teil 2

15. November 2014
dotbooks

beatedotbooks-Verlegerin und -Gründerin Beate Kuckert im Interview mit Nathalie Schwaiger von dem Magazin Federwelt – Teil 2:

Nathalie Schwaiger: Wie sehen die Sitzungen bei dotbooks aus?

Beate Kuckertz: Sie sind klar reglementiert: Das ganze Team – wir sind aktuell acht Kollegen (Anm. der Redaktion: Inzwischen sind es 11) – kommt einmal pro Woche für maximal vier Stunden zusammen. Und dann weiß jeder wirklich alles.
Wir führen sehr akribisch Protokoll, das immer zuerst abgearbeitet wird. Auf der Tagesordnung stehen dann jeden Mittwoch die Bereiche Lektorat, Vertrieb und Marketing, Messen und viele Fragen: Wie werden unsere Titel auf den einzelnen Plattformen platziert? Wo haben wir dazugewonnen, wo haben wir verloren? Was haben wir richtig gemacht, wo können wir im positiven Sinne noch aggressiver werden? Wo können wir unser Programm ausdehnen, wo sollten wir es besser lassen? All das und mehr wird im Team reflektiert und diskutiert. Jede Meinung zählt. Das ist mir sehr wichtig.

Natalie Schwaiger: Wie steht es denn um die Zahlen? Wie groß ist der Umsatz?

Zeitschrift für Autorinnen und Autoren.

Beate Kuckertz: Das verrate ich nicht (lacht). Sagen wir so: Aktuell haben wir fast 600 Titel im Programm und jede Menge Rechte in der Pipeline. Als wir 2012 gestartet sind, waren es gerade mal 37… Ich sehe uns heute nicht mehr als Start-up, denn inzwischen können wir von unseren Erlösen leben. Der Anfang 2012 war schwierig, aber 2013 wurden die Zahlen zunehmend grau (lacht), und inzwischen sind sie schwarz. Wie für klassische Printverlage auch gilt für dotbooks, dass wir mit 20 Prozent des Programms 80 Prozent des Umsatzes machen. Ich sehe aber auch bei „kleineren“ Titeln positive Entwicklungen. Dies liegt daran, dass sich der digitale Markt extrem vergrößert und schnell wächst. Es werden immer mehr E-Reader und Tablets gekauft, und die Leser, die einmal Spaß am digitalen Lesen gefunden haben, kehren nicht mehr zum Taschenbuch zurück. Hardcover sind etwas anderes, manche Bücher möchte man einfach gern zu Hause haben, aber einen Unterhaltungsroman – egal welchen Genres – lesen die Leute inzwischen gerne auf ihrem Reader.

Nathalie Schwaiger: Wie sieht Ihr Programm aus?

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Beate Kuckertz: Aktuell erscheinen bei uns im gleichen Verhältnis Originalausgaben und Neuausgaben, also Bücher, die schon einmal bei einem Printverlag erschienen sind. Wenn der Autor es wünscht, überarbeiten wir diese „alten“ Texte gemeinsam mit ihm noch einmal. Aber auch sonst stecken wir genauso viel Herzblut in die Neuausgaben wie in die Originalausgaben, zum Beispiel in Vertrieb und Marketing – denn für den Leser ist jedes Buch, das er noch nicht kennt, ein neues Buch. Und ganz egal, ob es das Werk schon einmal gegeben hat oder wir es zum ersten Mal veröffentlichen: Mein Ziel ist es, gute Bücher zu publizieren.

Nathalie Schwaiger: Welches Genre läuft am besten?

Beate Kuckertz: Da tippen immer alle auf die Erotik … Aber tatsächlich ist es in unserem Programm eine anteilig nahezu gleiche Mischung aus Erotik, Frauenunterhaltung, historischem Roman und Krimi. Was sich bei uns nicht besonders gut verkauft, sind Sachbücher. Zwar haben wir einige im Programm, aber wir akquirieren momentan keine neuen, weil wir sehen, dass die Kunden diese noch im Print suchen. Dafür experimentieren wir mit neuen Textformen. Bei E-Books sind wir bei der Länge beziehungsweise Kürze nicht so festgelegt wie ein Print-Verlag, der das Papier und den Druck kalkulieren muss. Bei dotbooks können wir auch 70-Seiten-Stories veröffentlichen – das ist neu für die Leser, aber sie finden zunehmend Gefallen an dieser Form, und die Verkäufe beweisen, dass sie gesucht wird.

Nathalie Schwaiger: Was macht ein Buch erfolgreich?

Beate Kuckertz: „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“, der Debütroman von Sebastian Niedlich, hat sich sensationell verkauft. Super eingestiegen ist auch „Der Troja-Code“ von Turhan Boydak, gleich unter die ersten 50 in den Bestseller-Listen, vorbei an bekannten Autoren – das ist natürlich Wahnsinn. „Das Netz“ von Wolfgang Hohlbein, ein älteres Buch, das er noch mal überarbeitet hat und das parallel zum E-Book als Hörbuch herauskam, war vom Tag seines Erscheinens an unter den Büchern, mit denen wir richtig guten Umsatz machen. Aber auch ein Roman wie „Das Superweib“ von Hera Lind gehört dazu. „Den Titel kennt jeder“, habe ich zuerst gedacht. Aber er verkauft sich immer noch sehr, sehr gut. Was meine These bestärkt, dass Neuausgaben nicht nur Resteverwertung sind, sondern dass da auch eine neue Generation von Lesern nachwächst, die diese Titel erst jetzt entdecken.
Sieht man sich nun all diese Bücher an, dann kann man aus ihnen tatsächlich einen Erfolgsfaktor ableiten: Sie sind originell, versuchen nicht, sich an große Vorbilder anzulehnen, und man spürt bei jedem Satz, dass der Autor seine Geschichte und seine Figuren liebt. Da unterscheidet sich das E-Book in keiner Weise vom gedruckten Buch.

Nathalie Schwaiger: Erotik, Fantasy, Krimis und „Das Superweib“ kommen also super an. Wie werden die Preise festgelegt?

Beate Kuckertz: Bei Printverlagen kostet das E-Book meist 20 Prozent weniger als die gedruckte Ausgabe, und dieser Abstand wird eingehalten, ob es nun Sinn macht oder nicht. Wir sind da deutlich freier und flexibler, auch weil wir anders kalkulieren können, da gewisse Kosten – wie die für die Lagerhaltung – bei uns einfach nicht entstehen. Trotzdem wird es bei dotbooks keine Dumping-Preise geben, wie man sie von vielen Selfpublishern kennt – 99 Cent für eine umfangreiche Originalausgabe sind einfach nicht machbar, selbst dann nicht, wenn man nur die Kosten für Cover, Lektorat, Herstellung und Auslieferung* dagegen rechnet. dotbooks steht für Qualität, und die hat, auch wenn wir knallhart kalkulieren, ihren Preis. Derzeit bewegt sich dieser bei uns im Durchschnitt zwischen 4,99 und 5,99 Euro, wenn das Buch zwischen 300 und 400 Seiten hat.

(*Anmerkung der Redaktion: Damit ist das Einstellen von E-Books auf Verkaufsplattformen gemeint, für das die Distributoren Geld verlangen.)

Nathalie Schwaiger: Sie rechnen noch in Seiten?

Beate Kuckertz: Ja, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen legen wir unsere Preise nicht willkürlich fest – ausschlaggebend sind immer die Kosten, die wir für das jeweilige Buch tragen müssen, und unsere Redakteure und Korrektoren werden auf Grundlage von Seitenpreisen gezahlt. Daher rechnen wir intern immer mit den sogenannten Verlagsnormseiten von circa 1.800 Zeichen. Diese kommunizieren wir dann auch nach außen – denn für einen Leser ist es einfacher, ein E-Book einzuordnen, das mit einer gewohnten Größe arbeitet: 379 Seiten sagen ihm mehr als eine Dateigröße von 370 KB.

Teil 2 des Federwelt-Interviews mit Beate Kuckertz. Das Interview erschien in vollständiger Länge in der Federwelt-Ausgabe 3/2014.

Teil 1 des Interviews finden Sie HIER.

Lesen Sie hier weiter: Teil 3

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