Rolf Palm im Interview über „Die Glücksprinzessin“

29. September 2017
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Rolf Palm © privat

„Ungewöhnliche Liebesgeschichten wie die der Schusterstochter Marie Hensel wird es immer geben.“

Ein Gespräch mit dem Autor Rolf Palm über Liebe und Glück, das Leben in Monte-Carlo und seinen historischen Roman DIE GLÜCKSPRINZESSIN:

Lieber Herr Palm, wie sind Sie auf die historisch verbürgte Figur der Marie Hensel gekommen, die als arme Schustertochter geboren wurde – und zur Grand Dame des Spielcasinos von Monte-Carlo aufstieg?

Rolf Palm: „Schon als junger Kriminalreporter bei der ‚Frankfurter Neuen Presse‘ faszinierte mich das nahe Städtchen Homburg, das sich ‚Die Mutter von Monte-Carlo‘ nennt. Aus journalistischer Gewohnheit recherchierte ich ein bisschen. Warum war im 19. Jahrhundert ausgerechnet hier, mitten in den Taunusbergen, ein Spielcasino gegründet worden? Was verbindet es mit Monte-Carlo? Und ich fand heraus: Dahinter stand die seltsame Liebesgeschichte einer ungewöhnlichen Frau – einer Schusterstochter aus dem benachbarten Friedrichsdorf – Marie Hensel. Doch erst viele Jahre später kam ich dazu, der Spur von der ‚Mutter‘ Bad Homburg zur ‚Tochter‘ Monte-Carlo nachzugehen.“

Palm, Die Glücksprinzessin 2Wie haben Sie für Ihren Roman recherchiert?

Rolf Palm: „Für einen Roman nach historischen Ereignissen braucht man Archive. Denn man will ja so nah wie möglich an den Fakten von damals bleiben. Diese Archive gab es zum Glück in Friedrichsdorf und Monte-Carlo. Überraschendes erlebte ich im fürstlichen Palastarchiv von Monaco. Am dritten Tag meiner Suche dort kam der Fürst und fragte mich: ‚Sie parken einfach ihr Auto vor dem Palast. Was machen Sie eigentlich hier?‘ Ich erklärte es ihm. Dann nahm er mich mit in sein Privatbüro und gab mir die Namen von Nachkommen jener Deutschen, die 1865 aus Homburg nach Monaco gekommen waren, um das neue Casino aufzubauen – zusammen mit Marie Hensel und ihrem Mann, dem Glücksspielunternehmer François Blanc.“

Glauben Sie, dass ein solches Abenteuer wie das von Marie heute noch möglich wäre?

Rolf Palm: „Ungewöhnliche Liebesgeschichten wie die zwischen der Schusterstochter Marie Hensel und dem Glücksspielunternehmer François Blanc, die gab es immer, wird es immer geben. Was unsere Geschichte so besonders macht, ist dies: Blanc wollte gar nicht in das damals völlig abgelegene, unzugängliche, total verarmte Felsennest am Meer. Da saß er mit seiner dreißig Jahre jüngeren an dem nackten Felsen, auf dem heute das Casino steht und sagte: ‚Daraus kann gar nichts werden!‘ Aber Marie, mit ihrer jugendfrischen Romantik setzte ihren Willen durch. Er baute zwar die Spielhalle, aber Marie plante und baute das heute immer noch weltberühmte ‚Hotel de Paris‘ mitten in die Einöde. Und sie behielt recht!“

Palm, Die Glücksprinzessin 3Ihr Roman ist romantisch, leichtfüßig – und gleichzeitig sehr bewegend! Was war die ergreifendste Passage beim Schreiben von DIE GLÜCKSPRINZESSIN?

Rolf Palm: „Als ich beschrieb, wie Marie das Sterben ihres Mannes erleben musste. Da stellte ich fest, dass ich mich in den zweieinhalb Jahren Recherchieren und Schreiben immer mehr mit dem Abenteurer und Glückspieler François Blanc und mit Marie identifiziert hatte. Nun spielte er im tödlichen Fieber sein letztes Roulette. Noch einmal setzte er alles auf Rot. Die Kugel rollte. Und es kam Schwarz – der Tod. ‚Du verdammter Spieler, der du immer warst!‘ schluchzte meine ‚Glücksprinzessin‘. Und da heulte ich mit ihr. Und unter Tränen lachte ich – weil mir eine so schöne Sterbe-Szene gelungen war. So geht‘s manchmal zu beim Schreiben, wenn man so lange mit seinen Figuren lebt …“

Sie leben nun schon seit langer Zeit selbst in Monte-Carlo: Was fasziniert Sie an dieser Glitzerstadt?

Rolf Palm: „Dass es eben nicht nur eine Glitzerstadt ist. 35 000 Menschen leben hier, aus über hundert Nationen, russische Milliardäre, amerikanische (und auch deutsche) Millionäre, aber auch internationale Fußballer, Formel-1-Fahrer, Künstler, Komponisten, Erfinder, Wissenschaftler. Doch es hat auch rund 40 000 Arbeitsplätze, darunter viele für Menschen aus dem französischen und italienischen Umland. Denn Monaco ist auch ein Industriestaat. Es produziert Medikamente, Kosmetik, Software, Maschinen-Komponenten. Eine Firma mit fast tausend Mitarbeitern konzipiert hier die Ölförderungstürme, die in den Weltmeeren stehen. Und auch das alles ist der ‚Glücksprinzessin‘ Marie Hensel zu verdanken.“

Das Gespräch führte Eva Riedl, Lektorat von dotbooks.

Über den Autor:

Rolf Palm wurde 1932 in Köln geboren und arbeitete als Journalist auf allen Kontinenten. Nach einer Recherche im Fürstentum verliebte er sich in die Märchenstadt an der Côte d`Azur: Seit 1973 lebt er dort als freier Autor und kennt alle Geheimnisse der Schönen, der Reichen und der ganz schön Reichen.

Bei dotbooks veröffentlicht Rolf Palm die Romane DIE GLÜCKSPRINZESSIN und EIN FAST PERFEKTES SPIEL.

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