Tania Schlie im Interview

23. Dezember 2016
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Tania Schlie (c) Magdalena Tänzler

Tania Schlie (c) Magdalena Tänzler

„Maylis steht ihrem eigenen Glück im Weg – läuft aber zur Hochform auf, wenn es um Andere geht“

Ein Gespräch mit der Erfolgsautorin Tania Schlie über kulinarische Genüsse, französischen Flair und ihren Roman DER DUFT VON ROSMARIN UND SCHOKOLADE.

 

Ihre Romane spielen oft auf zwei Zeitebenen: Warum haben Sie DER DUFT VON ROSMARIN UND SCHOKOLADE nun rein in der Gegenwart angesiedelt?

Tania Schlie: „Wenn ich eine Geschichte auf zwei Zeitebenen erzähle, gibt mir das eine Möglichkeit, die Entwicklung der Protagonistin zu zeigen: So kann zum Beispiel die Großmutter mit ihrer Lebenserfahrung der jungen Enkelin helfen, sich im Leben zurechtzufinden. Für meinen neuen Roman habe ich mir eine andere Herausforderung gesucht: Maylis ist vierzig; sie steht mitten im Leben und hat bereits eine große Liebe, eine Ehe und eine Enttäuschung hinter sich. Sie weiß, was sie will und was nicht, auch wenn man ihr ihre Träume fast ausgetrieben hat. Zu Maylis passt keine weise Ratgeberin, die ihr den Weg weist – sie muss ihn selbst finden. Ich glaube, Maylis hat viel von mir. Das hat das Schreiben für mich zu einem Abenteuer gemacht.“

 

schlie-der-duft-von-rosmarin-und-schokolade-2Was mögen Sie besonders an Maylis?

Tania Schlie: „Ich kann Maylis im Lauf der Geschichte dabei zusehen, wie sie langsam ins Leben zurückfindet, nachdem ihr Mann sie mit ihrer besten Freundin betrogen hat. Stück für Stück gewinnt sie ihr Vertrauen in andere Menschen zurück und die Leidenschaft, das Leben zu genießen. Mir gefällt besonders, dass sie spontan handelt und sich auf neue Situationen einlässt.“

 

Verraten Sie uns mehr darüber, bitte!

Tania Schlie: „Alles fängt damit an, dass eine Kundin etwas in dem Feinkostgeschäft liegen lässt, in dem Maylis arbeitet; diese Kundin hat Liebeskummer – und Maylis einen dieser magischen Momente, in denen wir alle Bedenken über den Haufen werfen und uns Fremden gegenüber öffnen und sie damit entwaffnen. Spontan lädt sie die Fremde zu einem selbstgekochten Essen ein. Das ist der erste Schritt heraus aus ihrer Einsamkeit. Maylis öffnet sich, und endlich hat sie auch einen Blick für ihren Nachbarn und Hobbykoch Paul Abendland. Und damit geht die Geschichte dann so richtig los.“

 

Ischlie-der-duft-von-rosmarin-und-schokolade-3hr Roman hat – trotz ernster Themen – eine Leichtigkeit, die Leser manchmal an Bücher aus Frankreich erinnert: Haben Sie dies bewusst so angelegt?

Tania Schlie: „Wenn der Roman so rüberkommt, freut mich das ungemein. Maylis hat tatsächlich etwas von der bezaubernden Amélie: Sie steht ihrem eigenen Glück im Weg, läuft aber zur Hochform auf, wenn es darum geht, Anderen zum Glück zu verhelfen. Sie lebt zwar in Hamburg, hat aber einen Teil ihres Lebens an der französischen Mittelmeerküste verbracht und liebt die französische Lebensart – so wie ich auch. Maylis ist sozusagen eine Französin in Hamburg.“

 

Was ist wichtiger für das Seelenleben: ein guter Roman oder gutes Essen, das in DER DUFT VON ROSEMARIN UND SCHOKOLADE immer wieder eine Rolle spielt?

Tania Schlie: „BEIDES natürlich! Am liebsten mit einem guten Roman auf dem Sofa liegen und dazu etwas besonders Leckeres naschen! Obwohl: Ein Roman, in den ich eintauchen kann und der mich aus dem Alltag entführt, hält länger!“

 

schlie-der-duft-von-rosmarin-und-schokolade-1aMaylis ist eine begnadete Köchin – Sie auch?

Tania Schlie: „Ich bin nicht so eine geniale Köchin wie Maylis – vor allem besitze ich nicht ihre Sammlung alter Kochbücher. Ich koche aber gern, auch für Freunde, und denen schmeckt es. Mein Lieblingsrezept ist eine wunderbar cremige, leicht scharfe ‚Pasta alla norma‘;keine Ahnung, warum die so heißt. Die Zutaten habe ich immer auf Vorrat im Haus. Ich mache es beim Kochen wie Maylis: grammgenaue Rezeptangaben mag ich nicht, ich lasse mich lieber inspirieren.

Die Form der Nudeln ist egal, ich mag am liebsten die ganz dünnen Spaghettini. Für die Soße ist es wichtig, in Scheiben geschnittene Auberginen geduldig im Ofen zu garen – mindestens eine halbe Stunde auf Backpapier und mit Olivenöl beträufelt –, bis sie leicht braun und vor allem weich sind. Dann kommen sie in einen Topf mit Tomaten – aus der Dose, damit es schön cremig bleibt – und Oregano. Für die Schärfe gebe ich getrocknete Chiliflocken und Knoblauch dazu. Am Schluss frisches Basilikum. Und Pfeffer und Salz. Ich mag es gern süßlich, deshalb gehört bei mir Zucker oder Honig in die Soße. Wer mag, gibt noch Ricotta oder Mozzarella dazu und wer ganz großen Hunger hat, noch scharf gebratene Salsiccia – das ist grobe italienische Bratwurst, gern mit Fenchel – in Scheiben. Guten Appetit!“

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