Unsere Autorin Hera Lind

1. November 2015
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Verlegerin Beate Kuckertz

dotbooks-Verlegerin Beate Kuckertz über unsere Autorin Hera Lind:

Gemeinsam mit einer Kollegin war ich nach der Mittagspause auf dem Weg zurück ins Büro, als sie mit einem überraschten „Hallo!“ einen Passanten grüßte, der allerdings an uns vorbeilging, ohne mit der Wimper zu zucken. Worauf meine Kollegin schamrot anlief.
„Alles in Ordnung?“, fragte ich.
„Wie peinlich!“

Wie sich herausstellte, war der Mann ein bekannter Fußballspieler, und weil sein Anblick meiner Kollegin so vertraut war, hatte sie ihn automatisch gegrüßt, ohne ihn zu kennen.

„Ich finde, der kann froh sein, dass eine tolle Frau ihn erkennt“, tröstete ich sie.

Tatsächlich könnte das jedem von uns passieren. Durch die Medien, die uns rund um die Uhr mit Bildern und Nachrichten bombardieren, sind viele Personen des „öffentlichen Interesses“ merkwürdig vertraut geworden. Wir erleben ihre Erfolge mit und werden – meist noch detaillierter – über ihre Niederlagen informiert. Irgendwann meinen wir, sie zu kennen, obwohl wir ihnen nie begegnet sind. Mir ging es auch so: mit unserer Autorin Hera Lind.

Lind, Autor des Monats Oktober 2015 4Ich erinnere mich noch gut daran, als ihr erster Roman Ende der 80er Jahre veröffentlicht wurde. Eine Freundin schenkte mir „Ein Mann für jede Tonart“ zum Geburtstag: „Das musst du lesen – ich habe so gelacht!“ So wie ihr ging es vielen. Hera Lind hat das Genre des heiteren Romans nicht erfunden, aber sie hat es in Deutschland salonfähig gemacht. DIE ZEIT – dem Massengeschmack sonst nicht unbedingt verbunden – stellte anerkennend fest: „Hera Lind schreibt Romane, deren Lästerton die Herzen der stolzesten Frauen trifft.“ Und eins ist sicher: Bestseller wie „Das Superweib“ haben Verlage dazu animiert, der populären Unterhaltung mehr Raum zu geben – ohne Hera Lind wären die Karrieren von Autorinnen wie Gaby Hauptmann, Ildikó von Kürthy und Kerstin Gier sicher anders verlaufen.

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Hera Lind (c) Franz Neumayr

Hera Lind hat das Rampenlicht nie gesucht – tatsächlich leidet sie bei öffentlichen Auftritten unter schrecklichem Lampenfieber. Und doch ist sie hineingeraten in die Welt der Galas, TV-Produktionen und großen Schlagzeilen: Die Frau, die „Herzblatt“ moderierte. Die bei einer Preisverleihung kokett anmerkte, dass Marcel Reich-Ranicki ihre Bücher zwar nicht möge, sie dafür aber schönere Beine hätte. Die eine Zeit lang von der Bildfläche verschwand, nur um dann mit neuen Romanen wieder erfolgreich durchzustarten. Irgendwann glaubte ich, Hera Lind zu kennen: Eine starke Frau, die ich als ein bisschen unnahbar empfand.

Das alles hatte ich im Hinterkopf, als ich nach dem glamourösen Geburtstagsfest eines Geschäftspartners im Hotelrestaurant frühstückte – und mein Blick den von Hera Lind traf, die ebenfalls dort abgestiegen war. Unwillkürlich lächelte ich sie an; sie strahlte zurück, kam an meinen Tisch und fragte: „Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich zu Ihnen setze? Wir sind die Einzigen, die hier früh am Morgen noch nicht im vollen Make-up an den Start gehen, als wäre das ein Roter Teppich …“ In der folgenden Stunde habe ich mich ausgezeichnet unterhalten – und Hera Lind ins Herz geschlossen. Sie ist bodenständig, hat einen herrlich bissigen Humor und ist trotzdem die Liebenswürdigkeit in Person. Unnahbar? Ganz sicher nicht!

Am Ende waren Hera und ich nicht nur beim „Du“, sondern auch überein gekommen, dass ihre Backlist bei dotbooks erscheinen sollte – ganz spontan, ohne langwieriges Verhandeln. „Mir gefällt das, was du da machst mit deinem neuen Verlag. Das möchte ich gerne unterstützen.“ Und obwohl sie eigentlich bei einem anderen Verlag unter Vertrag und dort sehr zufrieden ist, hat sie mir ein Jahr später einen Originalstoff angeboten: „Ihr habt meine alten Bücher für ein neues Publikum erschlossen – dafür möchte ich mich bedanken.“

Lind, Autor des Monats Oktober 2015 3Während ich „Drei Männer und kein Halleluja“ las, merkte ich, wie viel „Hera“ in den Romanen von Hera Lind steckt – da ist dieser ganz besondere Humor und die Herzlichkeit, die Geradlinigkeit im Denken und, das darf ich hier verraten, auch die gelegentliche Neigung zum Alltagschaos … weswegen es mir eine besondere Freude und Ehre ist, dieses Buch im Programm zu haben.

Wenn Sie auf der Suche nach urkomischen Geschichten sind, die herrlich respektlos erzählt werden, dann sollten Sie sich die Romane von Hera Lind nicht entgehen lassen. Diese Frau hat ihren großen Erfolg wirklich verdient. Und sollten Sie ihr einmal begegnen, lächeln sie Sie unbedingt an: Sie wird sich sehr darüber freuen!

 

 

 

 

 

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