Sarah Kleck über ihren Roman “Die Macht der Verborgenen”

25. August 2016
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Sarah Kleck (c) Fokus Fotografie

„Das Schreiben ist für mich eine Möglichkeit, fantastische Welten zu erschaffen und eine Zeit dort zu verweilen”

Unsere Autorin Sarah Kleck über das Erwachsenwerden, das Bewahren kindlicher Fantasie und ihren neuen Roman „Die Macht der Verborgenen“:

 

Sind wir doch mal ehrlich: Erwachsensein ist ätzend.
Verantwortung, Verpflichtungen, vernünftig sein. Es gibt so Vieles, das wir als Erwachsene tun müssen, und tausend Dinge, die man, sobald man ein bestimmtes Alter erreicht hat, nicht mehr tut – oder besser gesagt, nicht mehr tun sollte.

„Werd endlich erwachsen“, „Das gehört sich nicht“, „Du bist jetzt erwachsen, benimm dich auch so“ – solche Phrasen bekommt man, meist begleitet von einem ausgiebigen Augenrollen, zu hören, wenn man vermeintlich ernste Dinge auf die sprichwörtlich leichte Schulter nimmt. Fast könnte man meinen, sobald man die Volljährigkeit erreicht hat, ist plötzlich alles furchtbar ernst und je verbissener, disziplinierter und leidensfähiger man ist, desto erwachsener ist man auch. Kein besonders erbaulicher Gedanke, wie ich finde.

Warum also haben wir es als Kinder so verdammt eilig, erwachsen zu werden? Wenn wir klein sind, beginnt ein Drittel unserer Sätze mit „Wenn ich mal groß bin“.
Kleck, Die Macht der Verborgenen 1Wenn ich mal groß bin, dann … ja, was eigentlich? Glauben wir tun und lassen zu können, was wir wollen? Weit gefehlt.

Als Kinder sind wir frei, unbeschwert und voller Fantasie. Ganze Sommerferien habe ich damals in meiner eigenen, selbst erschaffenen Fantasiewelt verbracht. Habe gegen wilde Bestien gekämpft, magische Orte entdeckt und zusammen mit meinen Freunden die Welt vor dem Bösen gerettet.

Doch dann kam das Erwachsenwerden und ich tauschte den Zauberwald gegen ein enges Büro, wilde Bestien gegen nervtötende Kollegen und die Rettung der Welt gegen Haushalt und Wäscheberge.

Erst im Schreiben habe ich für mich einen Weg gefunden, wieder dorthin zurückzukehren. Eine Möglichkeit, fantastische Welten zu erschaffen und eine Zeit dort zu verweilen. Denn das ist es doch, was ein Buch zu etwas ganz Besonderem macht – die Möglichkeit, wenigstens für ein paar Stunden unserem Erwachsenenleben zu entfliehen, loszulassen, alles um uns herum zu vergessen, in fremde Welten einzutauchen und eins mit der Geschichte und ihren Figuren zu werden.

Wir können jederzeit wieder Kind sein – alles was es dazu braucht, ist ein gutes Buch.