Grafikerin aus Leidenschaft: Nele Schütz

5. Dezember 2014
dotbooks
Nele Schütz

(c) Nele Schütz

 

1. Stellen Sie sich und Ihre Arbeit kurz vor.

„Hallo, mein Name ist Nele Schütz, ich gestalte seit fast 23 Jahren Buchumschläge und habe mich vor 17 Jahren mit meinem Mann selbstständig gemacht. Diese Arbeit ist für mich persönlich wesentlich aufregender als nur z.B. Visitenkarten oder Prospekte zu gestalten. Ich kann mich jeden Tag in eine andere Welt begeben. Das ist es, was meinen Beruf so besonders und abwechslungsreich macht, da wir hier bei Nele Schütz Design auf keine Genres festgelegt sind.

Allen, die mit dem Gedanken spielen, Grafiker/in zu werden, möchte ich sagen, dass dieser schöne Beruf eine lange Ausbildungszeit braucht. Unter vier Jahren wird das nichts, es gibt aber zum Glück sehr gute Hochschulen (und man sollte unbedingt auf eine Hochschule gehen), die einem die weite Welt der Grafik vermitteln und lehren. Natürlich gibt es auch Naturtalente, aber mal ehrlich: Wer kann das ernsthaft von sich behaupten?“

 

2. Seit wann gestalten Sie Cover für dotbooks-eBooks?

„Seit ungefähr drei Jahren dürfen wir auch dotbooks zu unseren Kunden zählen.“

 

3. Wie sieht Ihr typischer Alltag als Grafikerin aus?

„Wie bei vielen Berufen besteht der normale Alltag aus sehr viel Arbeit, der Glamour-Faktor ist eher niedrig. Denn auch wenn viele Menschen denken, der Computer macht alles alleine … so ist es leider nicht. Ich arbeite gut 10 Stunden am Tag und auch oft am Wochenende. Viel Zeit muss man auch mit dem Akquirieren und dem Kundenkontakt verbringen, d.h. ich organisiere viel und leider kommt dann die kreative Arbeit unter der Woche oft zu kurz. Daher entwickle ich Kreativ-Konzepte oft am Wochenende, einfach weil dann das Telefon mal still steht.

Bei den klassischen Printverlagen ist alles auf die Deadline der jeweiligen Produktionsphase ausgerichtet, da wird es immer am Schluss richtig stressig. Bei ebook-Verlagen ist das viel entspannter, da diese Verlage viel flexibler sind.“

 

4. Sie gestalten schon seit Jahren Cover für Printbücher. Vor einiger Zeit kamen dann eBooks dazu. War das eine große Umstellung, oder gab es überhaupt keine?

„Es ist durchaus eine große Umstellung, weil man mit einem anderen Farbmodus arbeitet und sich an den zu gewöhnen, ist nicht immer einfach. Die in den vergangenen Jahren enorm gewachsene Marktmacht des Onlinebuchhandels hat uns natürlich schon seit einiger Zeit dazu gezwungen, die Gestaltung umzudenken. Ein gedrucktes Buch muss auf dem Smartphone genauso gut wirken, wie auf einem Tablet oder ganz traditionell im Schaufenster einer Buchhandlung. Diese Kriterien lassen sich auch auf den eBook-Bereich übertragen, wobei sich dort alles noch mehr fokussiert, da wir immer daran denken müssen, wie die Gestaltung auf dem Smartphone in der Bahn oder im Bus wirkt. Der klassische Buchhandel fällt ja weg. Manchmal ist das dann schon auch schwierig, wenn man eine tolle Idee hat, die auf dem Bildschirm richtig gut aussieht – bis man sie auf eBook-Größe verkleinert und feststellt, dass man nur Soße mit Schrift sieht.“

 

5. Die Cover von Ihnen sind immer schön – aber auch immer wieder anders. Woher nehmen Sie Ihre Inspiration für immer wieder neue Entwürfe bzw. was machen Sie, wenn Sie mal keine Idee haben? (Oder gibt es das gar nicht? ;-))

„Mein Kopf arbeitet die ganze Zeit, ich sehe Filme, Plakate, Internet, Comics, andere Bücher, Werbung und lasse mich auch durch kleinste Dinge, die mich täglich umgeben, inspirieren. Sich ständig fortzubilden, ist enorm wichtig. Ich frage mich immer: Wie sieht moderne Gestaltung aus? Und besonders Schriften sind mir dabei extrem wichtig! Typographie wird gerne gegenüber der Bildsprache etwas vernachlässigt, dabei hat sie große Wirkung auf den Buchkäufer, ohne dass er sich dessen vielleicht bewusst wäre. Und gerade dieses Wissen macht dann das Cover individueller und besonders. Wenn ich keine Idee habe, was natürlich auch vorkommt, frage ich meine Kollegen oder meine Kinder (bei Jugendbüchern eine unerschöpfliche Quelle), oder ich arbeite auch sehr gerne mit den jeweiligen Lektoren zusammen.“

 

6. Fällt es Ihnen als kreativer Kopf schwer, nach Vorgaben von Verlagen zu arbeiten oder bekommen Sie ausreichend Freiraum bei der Ideenfindung?

„Das kommt immer auf die Verlage bzw. die Lektoren an. Es gibt Menschen, die ein abstraktes, kreatives Sehen und Denken besitzen … und viele haben es nicht. Wir leben aber in einer virtuellen Welt, in der jedem suggeriert wird, dass er Dank eines Computers alles machen kann. Klar, jeder kann mit der Unterstützung des Computers für seine Tante Erna eine Geburtstagskarte herstellen, die okay ist. Wir arbeiten aber mit dem Computer, er ist unser Werkzeug, mit dem wir Welten erschaffen können, und das braucht viel Zeit und Erfahrung.

Bei manchen Bänden ist es gut, viele Vorgaben zu bekommen, z.B. wenn sie sehr eilig sind oder sonst zu aufwendig werden würden und der Verlag dafür kein großes Budget zu Verfügung hat. Insgesamt wird unser Freiraum immer geringer, was oft an sehr komplizierten Marketingstrategien liegt. Heute muss ein Buch einfach nur verkauft werden und das schränkt schon sehr ein. Reine Liebhaberprojekte gibt es eigentlich nicht mehr, diesen Luxus können und wollen sich die großen Verlage in der Regel nicht mehr leisten. Sicher gibt es auch kleine Verlag, die sehr viel Herzblut in ihre Buchprojekte stecken und unglaublich tolle Titel herausbringen, das ist aber mit sehr viel Selbstausbeutung für alle Beteiligten verbunden. In den großen Printverlagen gibt es Strategie-Sitzungen für die Buchcover, aber da werden wir nicht eingeladen, was mehrere Gründe hat. Wenn ich mir aber Buchcover aus den USA oder England anschaue, werde ich immer neidisch, wenn ich sehe, was dort möglich ist …“

 

7. Gibt es ein Genre, für das Sie besonders gerne Cover gestalten bzw. ein Genre, das Sie gar nicht mögen?

„Mittlerweile kann ich mich für alles außer Esoterik begeistern (aber auch das mache ich). Früher waren meine Lieblingsreihen Science-Fiction und Fantasy. Mittlerweile liebe ich es, Jugendbücher zu gestalten … und Thriller und Frauenbände … also im Prinzip alles. Als Abwechslung designe ich gerne Sachbücher … oder mal Literatur.“

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