»Immer, wenn die vier Frauen in meinem Roman aufhören, sich und anderen etwas vorzumachen, rücken sie näher zueinander.«

21. Januar 2022
dotbooks

Ein Gespräch mit unserer Autorin Kerstin Hohlfeld darüber, was die vier Frauen in Ihrem Roman DIE APFELKUCHEN-FREUNDINNEN trotz ihrer Unterschiede so sehr verbindet, wieso Kuchen einfach sein muss, und warum das Älterwerden so gut mit dem Glücklichwerden zusammengeht:

Liebe Frau Hohlfeld, würden Sie sagen, dass Ihnen eine der vier Frauen in Ihrem Roman DIE APFELKUCHEN-FREUNDINNEN besonders aus dem Herzen spricht – oder ist es eher eine gesunde Mischung aus allen?

Kerstin Hohlfeld: »Alle vier sprechen mir aus dem Herzen, so unterschiedlich sie auch sind, und ich mag sie alle gleichermaßen. Die unglaublich warmherzige Milena mit dem Hang, sich zu verkriechen; die kluge und toughe, manchmal etwas zu verbissene Vivien; die zurückhaltende Ann-Kathrin, die ihr Herz so sehr am rechten Fleck hat; und ›everybody’s darling‹ Caroline, die, während sie es allen recht zu machen versucht, fast erst zu spät mitbekommt, dass sie darüber einen Menschen zu verlieren droht, der ihr sehr wichtig ist. Sie haben alle ihre Stärken und Schwächen – und deshalb sind sie genau wie wir. Ich möchte in meinen Romanen gern echte Menschen zeigen, keine fehlerlosen Superheldinnen. Immer, wenn die vier Frauen in meinem Roman aufhören, sich und anderen etwas vorzumachen, rücken sie näher zueinander – daran glaube ich und versuche auch selbst, so authentisch wie möglich zu leben. Ein bisschen hilft dabei das Älterwerden.«

Sie sagen es selbst, die vier Frauen in Ihrem Roman sind sehr verschieden – warum entwickelt sich dennoch so eine wunderbare Freundschaft im Laufe dieses einen Sommers?

Kerstin Hohlfeld: »Die vier haben zwar verschiedene Lebenswege, aber ich glaube bestimmte Themen bewegen und prägen uns alle: Herkunft und Familie, Liebe und Enttäuschungen, Gesundheit und Lebensstil. Und das schafft Verbindungen. Nachdem sie in einem Rückengymnastik-Kurs zum ersten Mal aufeinandertreffen, lernen sie sich nach und nach kennen, so wie sie sind, legen die Angst davor ab, die anderen hinter ihre Fassade blicken zu lassen. Ein bisschen hilft wohl auch, dass man in der ›Rückenschule‹ die eigenen Schwächen direkt auf der Gymnastikmatte ausbreiten muss.

Ich weiß es sehr zu schätzen, wenn Menschen mir erlauben, auch ihre Schwächen kennenzulernen. Manchmal denke ich das ist umso schwieriger geworden in unserer medialen Welt. Das fängt schon beim Äußeren an – ich mag all diese bearbeiteten Fotos, zum Beispiel auf Instagram, nicht, auch wenn ich durchaus verstehe, wie es dazu kommt. Aber leider führt es in meinen Augen dazu, dass die meisten gar nicht begreifen, wie hübsch sie in Wirklichkeit sind. Dass es ihre Natürlichkeit ist, die sie schön macht. Und ihre Verletzlichkeit macht sie liebenswert. Sich zu verstellen, kostet einfach nur sinnlos Energie. Die vier APFELKUCHEN-FREUNDINNEN haben auch ihre liebe Not damit, aber am Ende lohnt es sich. Ein paar alte Zöpfe werden abgeschnitten, dafür kann eine wunderbare neue Freundschaft entstehen.«

Die Freundinnen lernen sich in einem Gymnastikkurs kennen – der gemeinsame Kaffee und Kuchen darf nach keiner Stunde fehlen: Gehört für Sie zur Wohlfühlbotschaft auch der Genuss?

Kerstin Hohlfeld: »Ich gestehe: Ich komme nicht an Kuchen vorbei, schon von Kindesbeinen an. Meine Oma und meine Mutter haben jedes Wochenende für die Familie zwei Kuchen gebacken, und die beiden konnten das so unglaublich gut. Da läuft mir heute noch das Wasser im Munde zusammen. Ich würde mich selbst schon als Genießerin beschreiben, und klar, das fließt in meine Arbeit mit ein. Wenn die vier also kochen und backen und brutzeln oder auch mal gemeinsam eine Flasche Sekt köpfen, das könnten auch meine Freundinnen und ich sein. Wenn sich meine Leserinnen in den Frauen im Buch ein Stück weit wiederfinden, dann bin ich happy.«

Das Gespräch führte Ronja Beck aus dem dotbooks-Lektorat.

Kerstin Hohlfeld wurde in Magdeburg geboren, studierte Theologie in Naumburg und Berlin und verließ die Hauptstadt kurz vor dem Mauerfall, um später zurückzukehren und in verschiedenen Berufen, u.a. als Autorin, zu arbeiten. Sie radelt, wandert und reist leidenschaftlich gern und verbringt mit Vergnügen einen Teil ihrer Freizeit hinter dem Herd und im Garten. Sie ist Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Bei dotbooks veröffentliche Kerstin Hohlfeld ihre Romane »Tage der Kirschblüte« und »Die Apfelkuchen-Freundinnen«.

DIE APFELKUCHEN-FREUNDINNEN von Kerstin Hohlfeld – überall erhältlich, wo gute eBooks angeboten werden, und natürlich auch auf unserer WEBSITE, wo die eBooks für Sie im Mobi-Format für den Kindle und als ePubs für alle anderen Lesegeräte bereitstehen.