Christa Kanitz’ Töchter im Interview

6. November 2015
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Christa Kanitz (c) privat

„Unsere Mutter war eine starke Frau!“

Ein Gespräch mit den Töchtern von Christa Kanitz

 

Leider ist unsere Autorin Christa Kanitz, die auch unter dem Pseudonym Christa Canetta berühmt war, im Januar verstorben. Wir sind stolz darauf, ihren Roman DIE RIVALEN VON TEUFELSBRÜCK posthum veröffentlichen zu dürfen – und fragen ihre Töchter: DIE RIVALEN VON TEUFELSBRÜCK spielt im Hamburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Warum interessierte sich Ihre Mutter für dieses Thema?

Die Töchter von Christa Kanitz: „Hamburg war die Wahlheimat unserer Mutter. Nach längerem Auslandsaufenthalt zog sie 1969 mit uns drei Töchtern in die Stadt an die Elbe und fühlte sich sofort zu Hause. Zunächst machte sie Karriere bei verschiedenen Zeitschriften, bevor sie zum evangelischen Pressedienst und schließlich zur evangelischen Kirchenzeitung wechselte.
Nach ihrer Pensionierung begann sie ihre zweite Laufbahn als Autorin, und wo sonst als in ihrer geliebten Stadt Hamburg sollten ihre Romane spielen? Besonders die Geschichte hatte es ihr angetan, und sie verbrachte viele Stunden in den verschiedenen Hamburger Museen auf der Suche nach Stoff für ihre Romane und nach historischen Fakten. So entstanden zum Beispiel die erfolgreichen Bücher um die Hamburger Kaufmannsfamilie DIE STELLINGS und zuletzt DIE RIVALEN VON TEUFELSBRÜCK. Manchmal erlaubte sie sich allerdings auch einen literarischen Ausflug, zum Beispiel in die Lüneburger Heide oder nach Schottland.“

 

Kanitz, Die Rivalen von Teufelsbrück 3Die historischen Romane Ihrer Mutter erzählen von selbstbewussten Frauen, die ihrer Zeit immer ein wenig voraus waren. Was reizte sie an diesem Thema?

Die Töchter von Christa Kanitz: „Das ist ganz einfach: Unsere Mutter war selbst eine starke und intelligente Frau, und auch sie war in der Mitte der vergangenen Jahrhunderts ihrer Zeit voraus. So löste sie sich aus einer unglücklichen Ehe, erzog allein uns drei Töchter und machte, wie nebenbei, auch noch Karriere. Da lag es nahe, dass ihre Heldinnen ihr ähnlich waren.
Selbst im hohen Alter schrieb unsere Mutter fleißig an ihren Romanen und dachte gar nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Sie war eine Frau, die niemals aufgegeben und sich immer durchgekämpft hat.“

 

Man merkt den Romanen Ihrer Mutter an, wie sehr ihr Herz für ihre Figuren schlug – aber was bedeuteten Ihrer Mutter ihre Leserinnen?

Die Töchter von Christa Kanitz: „Die Arbeit an ihren Romanen, aber auch der Austausch mit ihren Leserinnen bedeutete unserer Mutter sehr viel.
Sie ließ sich viel Zeit mit ihren Romanen, recherchierte gründlich und machte sich mit ihren Figuren vertraut. Sie lebte in gewissem Sinne mit ihnen und sagte gerne: ‚Wenn ich an einem Roman schreibe, dann lebe ich darin.‘ Deswegen freute sie sich über jeden einzelnen Leserbrief, stand mit vielen Leserinnen in engem Kontakt und war glücklich, wenn zu ihren Signierstunde und Lesungen ein großes Publikum erschien.“