„Ich bin Paul“ von Patrick Hinz

11. Mai 2015
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Programmleiter Timothy Sonderhüsken

Programmleiter Timothy Sonderhüsken

Programmleiter Timothy Sonderhüsken stellt „Ich bin Paul“ von Patrick Hinz vor:

Ein bisschen zu klein oder ein bisschen zu groß. Ein bisschen zu laut oder zu schüchtern, zu dick, zu dünn. Ein bisschen zu viel von diesem oder zu wenig von jenem – und schon ist man ein Außenseiter. Dieses Gefühl hat jeder von uns schon einmal erlebt. In der Kindheit und Pubertät zum Beispiel, wenn die Welt um uns herum verrückt zu spielen schien … und wir selbst es vielleicht auch das ein oder andere Mal getan haben.

Paul ist kein Außenseiter. Beziehungsweise: nicht mehr. Er ist erwachsen, er hat einen guten Job und eine Freundin, die er liebt. Und deswegen hat Paul für diesen Abend alles vorbereitet: den Tisch beim Lieblingsitaliener reserviert, Blumen und Kuchen bereitstellen lassen, einen Ring besorgt. Heute wird er Louise fragen, ob sie ihn heiraten will. Sie wird „Ja“ sagen. Und dann, da ist Paul sich sicher, wird endgültig alles gut.

Hinz, Ich bin Paul 2Vermutlich können Sie es sich jetzt schon denken: Es kommt anders. Paul findet sich mitten in der Nacht mutterseelenallein auf einer Parkbank wieder. Auf einmal ist all das wieder da, was er hinter sich gelassen zu haben schien: die Unsicherheit seiner Kindheit. Die Angst, nicht dazu zu gehören. Dieses ganze verdammte „ein bisschen Zuviel“ und „ein bisschen Zuwenig“. In dieser Nacht lässt Paul sein Leben Revue passieren. Er erinnert sich an all die Niederlagen … aber auch die Siege und die vielen verrückten Glücksmomente, die sein Leben bereichert haben. Und so beschließt Paul in den frühen Morgenstunden, nicht einfach aufzugeben, sondern um Louise zu kämpfen. Dummerweise rennt er dabei aber erst einmal vor ein Auto – und damit geht die Geschichte so richtig los.

Patrick Hinz (c) Thomas Nick

Patrick Hinz (c) Thomas Nick

In ICH BIN PAUL halten sich Trauer und Humor perfekt die Waage. Das liegt auch daran, dass der Autor mit spielerischer Leichtigkeit Gegensätze vereint. Patrick Hinz bewegt mit seiner manchmal melancholischen Tonart – und zaubert uns im nächsten Moment mit Pauls kompromissloser Selbstironie ein Lächeln auf die Lippen. Man merkt, dass hier jemand am Werk ist, bei dem Herz und Verstand in perfekter Synchronität arbeiten. Patrick Hinz erzählt eine scheinbar kleine Geschichte, in der sich trotzdem die großen Themen des Lebens finden. Er erinnert uns an all die Momente, in denen wir uns selbst wie Außenseiter gefühlt haben – und ermöglicht es, nicht nur Paul zuzujubeln, sondern uns auch selbst zufrieden auf die Schulter zu klopfen. Ja, niemand von uns ist perfekt. Und gerade deswegen ist jeder von uns ein wertvolles Unikat.

Ein bisschen zu viel von diesem oder ein bisschen zu viel von jenem? Ganz egal: ICH BIN PAUL ist genau richtig – und ein Roman, den Sie so schnell nicht vergessen werden.