Judith Nicolai über ihre „Schneetänzerin“-Trilogie

11. Januar 2017
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„Noch einmal ganz von vorne anfangen, sich ein Stück weit neu erfinden …“

Unsere Autorin Judith Nicolai über den Reiz des Auswanderns, Neuanfänge und ihre SCHNEETÄNZERIN-Trilogie:

 

Ich muss gestehen, dass ich ein großer Fan von Auswanderer-Dokus bin. Vielleicht gerade deshalb, weil ich selbst nie mutig genug dazu wäre, alle Brücken hinter mir abzubrechen, Familie und Freunde zurückzulassen und am anderen Ende der Welt ganz von vorn anzufangen.
Bei den tränenreichen Abschieden am Flughafen leide ich mit den Auswanderern und Zurückgeblieben, fühle die Hochs und Tiefs in dem fremden Land, das für die Neuankömmlinge irgendwann vielleicht Heimat sein wird – und bin froh, daheim auf dem Sofa zu sitzen, wo ich meine Nachbarn kenne und weiß, in welcher Bäckerei es die besten Brezeln gibt.

nicolai-schneetaenzerin-6Ganz so groß und endgültig ist das Abenteuer Auswanderung in Zeiten von WhatsApp und Skype freilich nicht mehr. Wie ungeheuerlich muss es dagegen vor 100 oder auch 60 Jahren noch gewesen sein, als Passagierschiffe, genauso wie Briefe, wochenlang unterwegs waren und man nicht mal eben mit den Lieben in der alten Heimat telefonieren konnte.
Eine furchteinflößende Vorstellung, aber zweifellos auch eine aufregende: noch einmal ganz von vorne anfangen zu können, sich ein Stück weit neu erfinden, neue Bekanntschaften und Freundschaften schließen, vielleicht sogar eine neue Liebe finden …

Tatsächlich ist aus solchen Gedankenspielen heraus die erste verschwommene Idee für die SCHNEETÄNZERIN entstanden. Ein Zeitungsartikel darüber, dass in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg Tausende von Deutschen das zerstörte Land verließen, um in der der Ferne ihr Glück und eine neue Heimat zu finden, war dann der Schubs, den ich brauchte, um mich an den Schreibtisch zu setzen und loszulegen. Entstanden ist eine große dreibändige Frauensaga rund um Liebe, Verlust und den Mut, neue Wege zu beschreiten.