Stella Conrad im Interview

4. November 2016
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Stella Conrad (c) privat

 „Kabbeleien und Wortgefechte machen mir am meisten Spaß!“

Ein Gespräch mit unserer Autorin Stella Conrad über das Kochen, Zufallsbegegnungen und ihren neuen Roman „Geständnisse einer Fernsehköchin“

 

Ihre Romane sind eine sehr unterhaltsame Mischung aus Humor und Romantik. In GESTÄNDNISSE EINER FERNSEHKÖCHIN gibt es außerdem noch einen besonderen Clou: Protagonistin Melina kann weder schmecken noch riechen: Wie kamen Sie auf diese Idee?

Stella Conrad: „Tatsächlich inspirierte mich vor einigen Jahren die Begegnung mit jemandem, der seit einem Unfall damit leben muss, nichts – oder nur sehr wenig – schmecken und riechen zu können. Ich löcherte den Ärmsten mit Fragen, denn schon zu der Zeit hatte ich die Idee zur ‚Fernsehköchin‘ im Kopf. Da ich den Umgang mit Lebensmitteln als sehr sinnlich empfinde, war ich absolut fasziniert von der Vorstellung, was diese Diagnose für Melina bedeutet, die ja eine Köchin darstellen soll.“

 

Sie haben selbst eine Zeit lang als Köchin für Stars und Sternchen gearbeitet – und in dieser Zeit bestimmt einiges erlebt. Sind konkrete Erlebnisse von damals in Ihren Roman eingeflossen?

conrad-gestaendnisse-einer-fernsehkoechin-1Stella Conrad „In den Achtzigern gehörte es zu meinem Arbeitsalltag, die abends auftretenden Bands und Solo-Künstler zu bekochen, die in der ‚Zeche‘ in Bochum auftraten. Tina Turner freute sich über Bratkartoffeln mit Spiegeleiern, Rapper in bodenlangen Pelzen schickten ihre Steaks solange in die Küche zurück, bis sie komplett durchgebraten waren (die Steaks, nicht die Rapper – und für mich eine Qual, die guten Rumpsteaks zu killen), und bei den meisten Reggae-Bands musste aus Glaubensgründen noch der Kopf am aufgetischten Tier sein, weshalb es für sie aus nachvollziehbaren Gründen niemals Rind, sondern stets Fisch gab. Da ich keine gelernte Köchin bin, wurde ich zum Teil von einem ‚echten‘ Koch gecoacht – diese Erfahrung floss natürlich ins Buch ein. Ganz sicher aber auch meine Teilnahme am ‚Perfekten Dinner‘ vor mittlerweile fünf Jahren –auch mit dem Kochen vor laufenden Kameras kenne ich mich also auch ein wenig aus!“

 

In GESTÄNDNISSE EINER FERNSEHKÖCHIN gibt es jede Menge Chaos – aber auch eine große Portion Liebe. Welche Szenen machen Ihnen beim Schreiben mehr Spaß? Und haben Sie eine Lieblingsszene?

conrad-gestaendnisse-einer-fernsehkoechin-2Stella Conrad: „Um ehrlich zu sein: Kabbeleien und Wortgefechte machen mir am meisten Spaß. Ich bin ein großer Fan alter ‚Screwball‘-Komödien, in denen Wortgewandtheit und Schlagfertigkeit eine wunderbare, elektrisierende Dynamik zwischen einer Frau und einem Mann erzeugten, die immer zu einem Happy End führte. Ich stellte mir also bei Melina und Luke die Frage: Wie würde sich eine Beziehung zwischen diesen beiden Menschen entwickeln, die der pure Zufall zusammengeführt hat? Beide sind vom Leben gebeutelt, für beide ist das gemeinsame Projekt die letzte Chance. Über die Dialoge zwischen Melina und Luke habe ich beim Schreiben gar nicht groß nachgedacht –sie entstanden wie von selbst aus ihren Charakteren heraus; eine Lieblingsszene oder einen Lieblingsdialog habe ich nicht. Ich mag einfach, wie ihre Beziehung sich verändert: Aus gegenseitiger Abneigung entsteht erst eine widerwillige Akzeptanz, dann Respekt und schließlich Zuneigung, der sie sich erst gar nicht bewusst sind. All das spiegeln die Dialoge zwischen den beiden wider.“